11.11.22 11:17 - Lesezeit

Durchhalten lohnt sich

Pavel Darahakupets

Portfoliomanager

Pavel Darahakupets ist Portfoliomanager mit dem Schwerpunkt Multi-Asset-Management im Chief Investment Office der Bank Gutmann. Bevor er 2021 zu Gutmann kam, war er für die Vermögensverwaltung mit Schwerpunkt institutionelle Kunden und quantitative Analyse zuständig.

Was tun bei Wertverlust?

Stellen Sie sich vor, eine Münze wird geworfen. Wenn Sie das Ergebnis richtig erraten, gewinnen Sie 200 US-Dollar. Ansonsten verlieren Sie 100 US-Dollar. Würden Sie mitspielen?

Vor fast 60 Jahren hat der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson diese Wette als Experiment seinen Kollegen am Massachusetts Institute of Technology angeboten (inflationsbereinigt entspräche das heute etwa 1.928 US-Dollar Gewinn bzw. 964 US-Dollar* Verlust). Und viele lehnten ab, wenn das Experiment nur einmal stattfinden würde. [1]

Mehr Angst als Freude

In der Tat vermeiden die meisten Menschen diese Wette, selbst wenn die erwartete Rendite zu ihren Gunsten ist. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass unsere Angst vor Verlusten viel stärker ist als die Freude über potenzielle Gewinne.

Panikverkäufe aufgrund einer extremen Empfindlichkeit gegenüber kurzfristigen Verlusten sind ein Beispiel für die so genannte kurzsichtige Verlustaversion. Dieses Verhalten kann das rationale Denken des Anlegers beeinträchtigen.

Wissenschaftliche Studien liefern Hinweise, dass Investor:innen mit weniger Information zur Wertentwicklung ihrer Portfolios tendenziell höhere Gewinne einfahren als die mit häufigerer Information. Denn Letztere neigen zu Überreaktionen. [2]

Geduld bringt Geld

Auch wenn sich die Geschichte nicht unbedingt wiederholt, kann man aus den Erfahrungen der Vergangenheit etwas lernen. So zum Beispiel die Tendenz diversifizierter Portfolios, sich nach Rückgängen wieder zu erholen. Die Erholungspfade – je nach wirtschaftlichem Hintergrund, Portfoliomischung und anderen Faktoren – können sehr unterschiedlich sein. Aber Anleger:innen, die an ihren ursprünglichen Anlagezielen festhalten, werden im Allgemeinen stärker belohnt als ihre weniger geduldigen Freunde.

Eine Rechnung zum besseren Verständnis

Über 4 Jahrzehnte Wertentwicklung der globalen Aktienmärkte belegt den Vorteil von geduldigem Abwarten. Je länger man nach einer Korrektur zuwartet, desto höher die Chance auf positive Renditen.


 

Quelle: Daten MSCI, eigene Berechnung**

Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.

Darüber hinaus war die Rendite im Schnitt umso höher, je mehr Zeit seit dem Rückschlag vergangen war. Zu sehen ist, dass die Renditen nach dem ersten Monat sowohl nach einer 10 %- als auch nach einer 15 %-Indexkorrektur im negativen Bereich liegen. Danach verbessert sich die Situation stetig.

Vergleicht man die Renditen nach 6 und 12 Monaten (seit dem Marktrückgang) so zeigt sich, dass sie sich mehr als verdoppelt haben.


 

Quelle: Daten MSCI, eigene Berechnung**

Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.

Durchhalten lohnt sich

Wichtig ist, nicht zu kapitulieren. Denn dies könnte bedeuten, einen starken spontanen Aufschwung zu verpassen, der nur wenige "Rallye"-Tage umfasst.

 Ist man in unserem Rechenbeispiel an den 30 besten Tagen seit 1980 nicht investiert gewesen, verringert sich die jährliche Rendite von 9,55 % auf 5,88 % p.a. für den gesamten Zeitraum. Wenn man bedenkt, dass mehr als 20 dieser 30 besten Tage in Zeiten langanhaltender Marktrückgänge (2002/2003, 2008/2009, 2020) stattfanden, wird das Ergebnis des Nichtinvestierens in turbulenten Zeiten noch deutlicher.


 

Quelle: Daten MSCI, eigene Berechnung**

Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.

Zeit, nicht Timing

 Als langfristig orientierte:r Anleger:in sollten Sie neben einer angemessenen Strategie, Risikobewertung und Portfoliodiversifizierung in erster Linie darauf achten, dass Sie Zeit haben, Ihr Vermögen wachsen zu lassen und nicht allzu sehr auf das Timing des Marktes hören.

 Die Taktik, aus den Positionen auszusteigen und zu hoffen, dass Sie zu einem günstigeren Zeitpunkt wieder einsteigen können, deutet auf eine emotionale Entscheidung hin: Die Angst, etwas zu bereuen, wenn man investiert bleibt, ist größer als die Angst, eine Marktrallye zu verpassen.

Ihr Portfolio. Ihr Weg.

 Ein zu konservatives Verhalten, das sich ausschließlich auf die jüngsten Marktereignisse stützt, kann die Erreichung Ihrer langfristigen finanziellen Ziele behindern.

 Wir, von der Bank Gutmann, stehen Ihnen auch in herausfordernden Zeiten zur Seite. Wir entwickeln für Sie – unter Berücksichtigung Ihrer Ziele, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer persönlichen Lebensumstände – die geeignete Portfoliostrategie.

 Reden Sie mit Ihrer:m Kundenberater:in darüber. Besprechen Sie unterschiedliche Varianten und finden Sie Ihren ganz individuellen Finanzweg.

 

 [1] Samuelson P. (1963) Risk and Uncertainty: A Fallacy of Large Numbers. Scientia Vol. 98, N4, S.108-113.

[2] Larson, F., List, J. A., & Metcalfe, R. D. (2016). Can myopic loss aversion explain the equity premium puzzle? Evidence from a natural field experiment with professional traders. NBER Working Paper.

 * basierend auf saisonbereinigten vierteljährlichen Verbraucherpreisen. Daten von Q3 1963 bis Q3 2022. Quelle: FactSet

** Berechnung aus täglichen Prozentveränderungen auf Basis des MSCI World Net Return Aktienindex, umgerechnet in Euro. Daten vom 31.12.1979 bis 31.10.2022. Quelle: Bloomberg, Bank Gutmann.

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