Auf dem Weg zum Übermenschen
„Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll.“ So der Erzähler Zarathustra im bekanntesten Werk von Friedrich Nietzsche. Nach dem „Tod Gottes“ blickt der Mensch nach vorne: auf die Möglichkeit der Selbstüberwindung.
Ist Künstliche Intelligenz etwa ein digitales Zerrbild dieses Übermenschen? Täglich hören wir, welche Tätigkeiten sie übernimmt und wie sie uns in Geschwindigkeit und Datenverarbeitung überlegen ist.
Nietzsche beschreibt allerdings kein technisches Evolutionsprogramm. Der Übermensch ist kein Produkt der Entwicklung, sondern der Anspruch an uns als Individuum neue Werte zu schaffen, Verantwortung zu tragen und sich selbst zu gestalten.
Leistungsfähigkeit allein ist kein Maßstab im Sinne Nietzsches. Der Übermensch soll eigene Maßstäbe setzen und nicht nur innerhalb bestehender Muster optimieren.
Der Mensch wird durch Leiden, Entscheidungen, Verantwortung und Tragik geformt. KI hingegen verarbeitet Daten, modelliert Wahrscheinlichkeiten und entwirft Szenarien. Sie trägt kein Risiko, kennt kein eigenes Schicksal und ringt nicht um Sinn.
Menschen als Brücke
Wenn der Mensch bei Nietzsche selbst die Brücke ist, dann verändert KI zumindest die Bedingungen, unter denen diese Selbstüberwindung stattfindet.
Sie konfrontiert uns mit der Frage, was menschlich bleibt, wenn Analyse, Mustererkennung und Prognose zunehmend automatisiert werden.
Gerade im Investmentbereich zeigt sich das deutlich: Die KI kann in Sekunden enorme Datenmengen auswerten, historische Parallelen identifizieren und Szenarien durchspielen. So etwa bei geopolitischen Spannungen rund um den Iran.
Doch die Preise an den Märkten handeln Erwartungen. Kein Modell kennt die Zukunft oder weiß mit Sicherheit, welche Annahmen bereits im Preis enthalten sind.
Als Investoren bleiben wir daher gefordert. Urteilskraft, Demut, Erfahrung – vor allem schmerzhafte – prägen unsere Entwicklung. Ein Minus im Depotstand erinnert uns daran, dass Verantwortung nicht delegierbar ist.
Selbstüberwindung bleibt eine menschliche Aufgabe.
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