Matthias Alberts Liebe zu Genuss und Fahrspaß

Da steht er. Mitten in der Garage. Er wartet bereits auf uns.
Und mit ihm sein Besitzer.



Der Zustand ist ausgezeichnet, der Lack glänzt und etwaige Bedenken, in einem über 40 Jahre alten Wagen Platz zu nehmen, sind sofort verflogen. Der Klang des Motors ist satt, aber nicht aufdringlich. “Lass zum Angurten die Tür offen, dann geht es leichter!”, so der Tipp des Besitzers Matthias Albert. Dann geht es los.

“Oje!” ertönt es noch in der Garage. Alle Anwesenden wirken erschrocken. “Wir müssen noch tanken fahren”, fügt der Besitzer hinzu und lächelt souverän. Er weiß wohl, was alle über seinen Peugeot 504 Cabrio, Baujahr 1971, dachten.

Die grundlegende Frage liegt nahe: was macht dieses Auto für dich so besonders?

Mir hat der Wagen schon immer gefallen. Außerdem habe ich einen Viersitzer gesucht, denn ich wollte die Familie ja stets mitnehmen. Da gab es also nur zwei Möglichkeiten: diesen Wagen oder einen VW Käfer Cabrio. Letzterer war in meiner Umgebung bereits sehr beliebt, daher der Peugeot. Außerdem haben mich die typisch gelben Scheinwerfer schon immer fasziniert. Und ganz nebenbei: der Peugeot ist nicht nur von Pininfarina gezeichnet, sondern sogar produziert worden. Das macht ihn zu einer ganz großen Besonderheit.

Wie kamst du zu dem Wagen?

Als ich entschieden hatte, welches Auto ich wollte, begann ich mit der Suche. In ganz Europa gab es nur zwei Exemplare dieses Modells: eines am Comosee, das andere - doch recht unerwartet - direkt in Vösendorf. Wo bin ich wohl zuerst hingefahren?

An den Comosee?

Richtig. Ich hab das Angenehme mit dem sehr Angenehmen verbunden und habe mir zuerst dieses Exemplar angesehen. Bei der Besichtigung war allerdings schnell klar, dass der Wagen in einem schlechten Zustand ist.

Woran erkennt man das bei einem Auto dieses Alters so schnell?

Eine der Segnungen des Internets ist, dass es selbst über exotische Dinge wie einen solchen Oldtimer Diskussionsforen gibt - de facto über jedes Auto, das jemals irgendwo produziert wurde. Man findet Beiträge, in denen die typischen Schwachstellen aufgezeigt werden, und Tipps, woran man den guten Zustand eines Wagens erkennt. In meinem konkreten Fall war eine bekannte Schwachstelle das Bodenblech. Ich brauchte also nur die Fußmatten hochzuheben.

Jemand musste schon sehr viel Geld und Liebe in dieses Auto gesteckt haben. Und diese Hingabe ist eigentlich der Schlüssel beim

Oldtimerkauf

Da das Modell nun trotzdem hier steht, nehmen wir an, in Vösendorf lief es besser?

Allerdings! Dabei hatte ich mir gar keine großen Chancen ausgerechnet. Doch der Wagen stand damals genauso vor mir, wie er heute aussieht. Noch dazu hat dieses Modell aus der ersten Serie Doppelscheinwerfer und besondere Rückleuchten, die in Fachkreisen – ob ihrer Form – gerne auch „Adidas-Rückleuchten“ genannt werden. Mein erster Gedanke war, dass jemand schon sehr viel Geld und Liebe in dieses Auto gesteckt haben muss. Und diese Hingabe ist eigentlich auch der Schlüssel beim Oldtimerkauf.

Das einzige, was mich ein wenig stört, ist, dass dieses Auto eines der ersten mit elektrischen Fensterhebern und allerlei elektrischem Klimbim ist.

Warum?

Die Ersatzteilproblematik wird damit de facto unlösbar, denn Peugeot kümmert sich nicht um die Besitzer alter Modelle. Bei den deutschen Autobauern etwa sieht das ganz anders aus. Aber immerhin hat an dem Auto niemand herumgebastelt oder „rumgespachtelt“. Die Farbe ist allerdings nicht original. Der Urzustand war eine Art Ziegelrot, aber es stört mich nicht, dass der Vorbesitzer sich für ein Silberblau-Metallic entschieden hat.

Wie kommt man dann für diesen Wagen an Ersatzteile?

Bei diesem Hobby muss man wohl darauf vertrauen, dass es von Liebhabern geführte Werkstätten gibt. Ich habe in Antwerpen jemanden ausfindig gemacht, der eine Doppelhaushälfte samt Garten voll mit Ersatzteilen hat - nur für die Modelle Peugeot 504 Cabrio und Coupé! Die Borduhr hier (tippt auf die Mittelkonsole) ist beispielsweise aus Antwerpen, sie funktioniert allerdings nicht. Hat sie nie.

Ist das schlimm?

Überhaupt nicht!

Zu jedem Wagen eines Autoliebhabers gibt es zahlreiche Anekdoten. Welche ist deine liebste?

Interessanterweise hängt sie direkt mit der Wahl der Location zu diesem Fotoshooting zusammen. Hier bin ich nämlich bei meiner ersten Ausfahrt (zum letzten Mal) mit diesem Auto „liegengeblieben“. Just auf diesem Parkplatz. Meine Verzweiflung blieb wohl niemandem verborgen, denn ein Mann trat schon bald an mich heran.

Und weiter?

Dieser Mann gab sich als pensionierter Peugeot-Mechaniker zu erkennen und sagte, er hätte Erfahrung mit diesem Modell. Er brachte ihn tatsächlich wieder zum Laufen. Wenn das mal kein glücklicher Zufall war!

Welche Reaktionen löst der Peugeot bei Betrachtern aus?

Keine Frage: es gibt spektakulärere und motorisch interessantere Fahrzeuge, die wesentlich mehr Emotionen und Assoziationen auslösen. Bei diversen Oldtimer-Veranstaltungen sind immer viele Alfas, MGs, Jaguars, Porsches usw. anzutreffen, aber mein 504er ist aber immer der Einzige seiner Art. Schon deshalb fällt er meist auf und wird auch besonders bewundert. Für mich bleibt dieser Wagen eines der schönsten Werke Pininfarinas überhaupt.

Ist das dein einziger Oldtimer?

Der Peugeot ist kein Sportwagen, sondern ein elegantes Reisefahrzeug. Wer ihn fährt, muss wissen: Langstrecke statt Rennstrecke! Ich habe noch einen Porsche, der Erstbesitzer war Formel-1-Fahrer Jochen Mass. Der Porsche hat vielleicht mehr Sex-Appeal, aber exklusiver ist ganz klar der Peugeot!

Wir danken für das Gespräch und die Ausfahrt.

Das Gespräch führten Brigitte Juchelka und Nikolaus Görg.
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